Let’s talk about sex, baby! – Interview mit Ute Benecke

Let’s talk about sex, baby! – Interview mit Ute Benecke

Ute Benecke berät Frauen und Paare, wie sie endlich wieder mehr Spaß im Bett haben können. Scham, Tabus, Erziehung, Unwissenheit und gesellschaftliche Konventionen halten gerade Frauen oft davon ab, eine erfüllte und freie Sexualität zu leben. Wissenswertes, Provokantes und Praktisches dazu gibt es in ihrem Blog und Newsletter auf www.utebenecke.de.

Liebe Ute, Du hast viele Jahre in einer klassischen Männerdomäne als Vermögensberaterin gearbeitet. Nun berätst Du Frauen rund um das Thema Sexualität. Wo ist der gemeinsame Nenner von Geld, Sex und Frauen und wie kam es zu der beruflichen Veränderung?

Ute Benecke-1Ute: Danke liebe Elke, eine spannende Frage. Spontan würde ich sagen, der gemeinsame Nenner bin ich. Nein Spaß bei Seite. Ich starte mit dem zweiten Teil deiner Frage, wie es zur beruflichen Veränderung kam, dann ist es einfacher zu beantworten. Während einer Zeit, als ich sehr erfolgreich in der Vermögensberatung war stellte ich fest, dass das nicht mehr meine Zukunft ist. Ich konnte gar nicht so genau sagen wieso und warum. Ich wusste nur, dass wenn ich daran dachte, das noch fünf Jahre weiter zu machen, wurde mir schlecht. Ich hatte keine Ziele mehr in diesem Bereich, nichts mehr das ich dort erreichen wollte. Das war davor anders. Und ich hatte genug davon, mich mit Bank- und Versicherungsthemen auseinander zu setzen. Mir war also klar, was ich nicht mehr wollte, jedoch noch nicht klar, was ich wollte. Das hat mich erst später gefunden als ich begann, mich selber intensiver mit dem Thema Sexualität auseinander zu setzen. Da wurde schnell klar, dass ich einen speziellen Zugang zu diesem Thema hatte und irgendwann war es klar, dass ich damit beruflich etwas mache.

Wo ist also der gemeinsame Nenner? Ein Aspekt was mich anbelangt ist, ich habe immer schon in vertraulichen und intimen Bereichen mit Menschen gearbeitet. Jetzt hat sich nur das Thema geändert. Manchmal frage ich mich, was intimer ist, Sex oder Geld? Ein anderer Aspekt ist, Verantwortung. Sex und Geld sind beides Bereiche, in dem Frauen ich sag mal eher ungern die Verantwortung dafür übernehmen. Beim Geld heißt es „das macht mein Mann“, beim Sex ist es ähnlich, „der Mann soll es richten … auch wenn die Frau keine Ahnung hat wie…“. Irgendwann stellte ich fest, dass ich auch deshalb die Vermögensberatung beendete, weil ich keine Lust mehr hatte, die Verantwortung für andere zu übernehmen. Das ist etwas, das oft passiert ist. Die Menschen geben die Verantwortung an den Berater ab. Heute arbeite ich mit Frauen die wollen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und dafür etwas zu tun. Denn das ist oft die größte Kröte, die es zu schlucken gilt. Auch wenn man das nicht glauben würde.

Ebenso ein weiterer, gemeinsamer Nenner ist das Thema Macht. Frauen spielen ihre Macht gerne im Bereich Sex aus und Männer im Bereich Geld (Versorger sein). Diese Machtspielchen in einer Beziehung laufen meist sehr unbewusst ab und sind sehr schädigend für die Beziehung. Für Frauen ist   manchmal der einzige Bereich, wo sie noch Macht ausüben können, der Sex. Kleines ganz banales Beispiel: Er tut nicht was sie will, sie ist verärgert. Später kommt er und will Sex. Sie sagt nein und lässt ihn auflaufen. Zur Strafe. Meist ist das wie ein Automatismus, dessen sich man erst einmal bewusst werden muss, um ihn dann zu durchbrechen. Viele Frauen sind schockiert, wenn ihnen klar wird, was sie da für Spielchen treiben.

Und natürlich darf nicht fehlen: Sex und Geld tut Frauen einfach gut! Das ist meine tiefste Überzeugung und da gibt es noch viel Bedarf, dass sich Frauen das zugestehen und auch nehmen.

Die meisten meiner Leserinnen antworten auf die Frage, was sie im Moment belastet: „Ich wünsche mir mehr Lust auf Sex!“ Wer selbst ein oder mehr kleine Kinder im Nachbarzimmer schlafen hat und zwischen Job, Haushalt, Schule und Spielplatz abends um zehn versucht „in Stimmung“ zu kommen, kennt das Problem vermutlich nur zu gut. Für mehr oder weniger frisch gebackene Mütter ist es ganz normal und von der Natur gewollt, dass sie wenig bis gar keine Lust auf Sex haben. Und trotzdem sind viele mit der Situation unzufrieden. Was rätst Du ihnen?

Ute: Dass eine Frau nach der Geburt eines Kindes erst einmal keine Lust hat, bzw. andere Prioritäten, ist völlig normal. Hier beginnt ein komplett neuer Lebensabschnitt. Alles ist anders, nichts mehr wie es war. Auch die körperlichen Veränderungen sind oft enorm. Ob das von der Natur gewollt ist, dass frisch gebackene Mütter (was zu definieren wäre), wenig bis gar keine Lust auf Sex haben, wage ich zu bezweifeln … ich höre schon die Aufschreie … Es gibt auch Frauen, wo das anders ist. So wie es auch orgastische und lustvolle Geburten gibt. Darüber wird nur nicht viel geredet. Deshalb glaube ich, dass das vielmehr eine Konditionierung ist, als von der Natur gewollt, nur so mal als Gedankenanstoß zum drüber nachdenken.

Fakt ist jedoch, wie du es in deiner Frage schon schreibst, dass es sehr viel zu tun gibt und ich absolut nachvollziehen kann, dass die Mütter todmüde sind und nur noch schlafen wollen. Was viele nicht wissen ist, dass Lust wie ein Muskel ist, sie will trainiert sein. Das bedeutet diese Annahme, Lust muss immer da sein oder einfach so vom Himmel fallen, ist falsch. Sich dessen bewusst zu sein, kann schon mal sehr helfen und nimmt auch den Druck raus. Lust braucht genauso wie alles andere Priorität, Zeit und Raum. Wer das also ändern möchte, kann damit anfangen, der Lust Zeit einzuräumen. Da kann schon ausreichen tagsüber darüber nachzudenken, worauf man Lust hat. Z.B worauf hast du Lust, was würdest du heute Abend gerne mit deinem Partner tun? Wonach sehnst du dich? Möchtest du mal wieder genüsslich massiert werden? Oder eher einen Quicki auf dem Küchentisch? Oder, oder, oder??? Beziehe auch deinen Partner mit ein, rede mit ihm darüber oder wenn du ihn etwas anheizen willst, schreibt euch heiße SMS. Meist sind Männer keine Hellseher. Dann schafft Platz und Raum dafür. Spanne ruhig deinen Mann mit ein. Er bringt die Kinder ins Bett, du bereitest das Schlafzimmer vor. Der Rest bleibt heute liegen, keine Bügelwäsche, keine Emails, kein Fernsehen usw.

Und auch wenn es mit der größte Widerstand ist, es macht Sinn das einzuplanen. Tauscht euch gemeinsam aus wie ihr das machen wollt und nehmt euch Zeit dafür. Einmal, zweimal, dreimal die Woche, so wie es für euch stimmig ist und so, dass beide Bedürfnisse berücksichtigt sind. Schafft bewusst gemeinsame Paarzeiten wo ihr euch begegnet, wo ihr Zeit für euch habt. Wo Sex sein kann, jedoch nicht muss. Redet darüber, denkt darüber nach, was ihr machen wollt. Das hilft auch sehr um in Stimmung zu kommen. „Schatz, heute ist unser Sex-Abend, willst du mich mal wieder so richtig von hinten nehmen“, so als kleine Anregung. Vielleicht kuschelt ihr auch nur oder was auch immer. Wichtig ist diese Zeit einzuplanen, ihr Priorität zu geben und dann ohne Druck schauen was entsteht. Vielleicht platzen auch die Kinder rein, dann nehmt es mit Humor. Und wenn die Kinder im Ehebett schlafen, geht ins Wohnzimmer. Wichtig ist hier, es immer wieder anzugehen und es spielerisch zu nehmen.

Was bei Paaren passiert, wenn sie sich gezielt Zeit dafür nehmen ist, dass auch mehr spontan passiert. Sie sind sich dadurch viel näher. Sich für Sex oder gemeinsame Paarzeit zu verabreden, schließt also spontanen Sex nicht aus. Es ist ein UND.

Was sind Deine drei wirkungsvollsten Tipps für mehr LUST?

  1. Selbstbefriedigung ist mit der größte Turbo für mehr Lust. Du schenkst dir selbst Liebe und Zuneigung, wertschätzt dich und deinen Körper. Lernst dich selber immer besser kennen. So hält Frau ihr Wasser lauwarm und muss nicht mehr von ganz kalt auf heiß erhitzt werden. Was das genau heißt kannst du hier ausführlich nachlesen.
  2. Sag JA dazu und entscheide dich dafür. Hört sich banal an, ist jedoch ein großer Faktor. Ja zur eigenen Lust zu sagen und wirklich – wirklich, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Für die Leserinnen meines Lust-Letters gibt es genau dafür bei Eintragung ein kostenloses 6-teiliges Freebie mit gezielten Übungen und Hilfestellungen zu diesem Thema.
  3. Der Lust Zeit, Raum und Aufmerksamkeit geben. Spielerisch damit sein. Frage dich immer wieder während des Tages: Worauf habe ich gerade Lust? Das muss sich nicht nur auf Sex beziehen, sondern überhaupt. Du kannst dafür auch Hilfsmittel nehmen, wie z.B. mal wieder die sexy Schuhe anziehen oder sexy Unterwäsche oder was auch immer dich in Stimmung bringt. Bringe dich in die Schwingung von Lust. Du kannst im Terminkalender eintragen: Heute ist Lust-Zeit oder Sex-Zeit oder Spiel-Zeit und ein Spiel daraus machen, was du heute heißes anstellst … Hier erfährst du noch mehr dazu. Im Englischen heißt es so schön: „Where the energy goes, the energy flows“. Ein wahres Wort und das gilt nunmal auch, für die Lust und Sexualität. Denn das ist das, was meist vergessen wird. Dabei gibt es uns so viel Kraft, Ausstrahlung und Energie.

Vielen Dank an Dich, Ute, für dieses spannende Interview! 🙂 Wer nun noch Fragen an Ute hat, darf sie ihr gerne per Email an ute@utebenecke.de senden oder schreibt sie uns in den Kommentaren. Wir freuen uns drauf!

{ 4 comments… read them below or add one }

Jesta Phoenix

Sehr wichtiges Thema! Das Interview habe ich gleich auf meiner FB Seite für Eltern Teams geteilt! Danke an Euch beide!

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UTE BENECKE

Liebe Jesta,
ganz herzlichen Dank, das Freut mich sehr!
Lustvolle Grüße Ute

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KiKo-Mone

Vielleicht führen wir deshalb eine so harmonische Ehe! 😉
Danke für dieses offene Interview!
Simone

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UTE BENECKE

Das klingt super 🙂
Danke dir Simone!

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