Einfach mal losgehen, der Rest kommt auf dem Weg. Nicola von Soulful Graphic Design über ihren Weg in die Selbständigkeit.

Einfach mal losgehen, der Rest kommt auf dem Weg. Nicola von Soulful Graphic Design über ihren Weg in die Selbständigkeit.

Nicola Kühn ist studierte Kommunikationsdesignerin (FH) und Mutter einer 4 -jährigen Tochter. Vor 1,5 Jahren hat sie sich mit Soulful Graphic Design selbständig gemacht und gestaltet nun vor allem für UnternehmerINNEN online und offline Designs mit Herz und Seele.

Liebe Nicola, wie schön, dass Du hier bist! Wie kam es zu Deinem Schritt in die Selbständigkeit und wie gelingt es Dir die Seele Deines Kunden in Deinen Designs sichtbar zu machen?

Nicola
Nicola: Der Schritt in meine Selbstständigkeit begann noch während der letzten Monate in meinem Angestelltenverhältnis. Ich war bereits schwanger und wusste, dass ich nicht mehr in meinen Job als Grafik- und Produktdesignerin in einem Geschenk- und Kinderbuchverlag zurückkehren werde.

Der Verlag war stark im Umbruch und ich ahnte, dass mein Weg nachdem ich Mutter werde, ein anderer sein wird. So besuchte ich schon während meiner Angestelltenzeit ein Existenzgründungsseminar und befasste mich innerlich mit dem Gedanken der Selbstständigkeit.

In meinem Berufszweig ist es Gang und Gebe, vor allem als Mutter, irgendwann selbstständig zu sein, denn Teilzeitjobs sind rar und Vollzeit heißt in dieser Branche nicht 40 sondern 60 Stunden zu arbeiten. Das war für mich keine Alternative, denn ich möchte für meine Tochter nachmittags da sein.

Mit Soulful Graphic Design arbeite ich vor allem mit Frauen, die gründen oder bereits seit einigen Jahren am Markt sind und sich durch ihr bisheriges Design nicht repräsentiert fühlen, zusammen.

Gerade Frauen ist es wichtig, dass das, was sie auch beruflich machen, zu ihren Werten passt und sie ebenso menschlich als auch im Business widerspiegelt. Einfacher ausgedrückt: das Design (Logo, Corporate Design, Website) muss nicht nur ihre Leistung/Angebote widerspiegeln, sondern ihnen selbst auch entsprechen und gefallen. Da ist eine gute Zusammenarbeit wichtig, und dass wir sozusagen auf einer gemeinsamen Welle schwimmen. Denn nur so kann ich etwas gestalten, was zum jeweiligen Business passt, aber auch die Person dahinter glücklich macht.

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Welche Vorteile bringt die Selbständigkeit für Dich als Mutter mit sich? Was sind die Nachteile und welche Strategien hast Du, um damit umzugehen?

Nicola: Schön an der Selbstständigkeit ist, dass ich auf die Bedürfnisse meiner Familie aber auch mir achten kann (zumindest bin ich dabei, es zu lernen;)).

Das sind z.B. Krankheitszeiten meiner Tochter. Wenn sie krank ist, kann ich ohne schlechtes Gewissen für sie da sein. Ich genieße die ruhige Zeit am Morgen, denn morgens brauche ich ein paar Minuten um in die Gänge zu kommen. Morgendliche Hektik kann ich gar nicht gebrauchen und deswegen bin ich dankbar, dass ich erst starte, wenn mein Mann unsere Tochter in den Kindergarten gebracht hat. Das wäre als Angestellte ganz anders.

Die andere Seite der Medaille ist natürlich, dass die Arbeit bei Krankheit des Kindes trotzdem getan werden muss. Das bedeutet dann nacharbeiten- und das am Abend oder am Wochenende.

Schwierig finde ich die Balance zwischen Arbeit und Freizeit/Familienzeit. Dadurch, dass ich im Home Office arbeite, habe ich oft das Gefühl gar keine Grenze zu kennen. Noch mal eben schnell Emails checken oder noch schnell was machen. Da muss ich mich immer wieder bremsen und bewusst zurücknehmen.
Und klar, sobald ich nicht arbeite, oder mich um Büro und Akquise kümmere, verdiene ich nichts.
Das sind so die Nachteile.

Wenn ich aber bedenke, dass der Trend klar in Richtung Selbstständigkeit geht und es immer mehr mobile Büros und Online Workers geben wird, dann ist das definitiv eine Richtung, die Sinn macht.

Was mir echte Entspannung gebracht hat: Vor kurzem habe ich z.B. meine Social Media Apps auf meinem Handy gelöscht. Außerdem nehme ich mir auch mal einen halben Tag frei, gehe in die Stadt, oder mache etwas ganz anderes. Das hilft mir den nötigen Abstand zu gewinnen, den ich ab und zu brauche.

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Was hat Dir geholfen, den Mut für den Schritt in die Selbständigkeit zu finden?

Nicola: Für mich hatte der Schritt nichts mit Mut zu tun, denn ich wusste schon seit Jahren, dass ich es irgendwann probieren werde. Und das war auch meine Ausgangssituation: Ich probiere es einfach!

Bei mir war die Selbstständigkeit erstmal nicht mit großen Investitionen verbunden. Alles, was ich für den Start benötigte, hatte ich bereits. Ich machte es einfach, ohne mir einen großen Kopf zu machen. Das war auch ok so, im Nachhinein. Jedoch hätte ich natürlich auch wesentlich besser planen können, denn die erste Zeit hatte ich natürlich noch keinen Plan für wen ich arbeiten könnte. Auch wenn es etwas schwieriger ist, da zeitaufwändiger: der Weg ist das Ziel. „Einfach mal losgehen, der Rest kommt auf dem Weg!“

Du arbeitest ja unter anderem auch mit Existenzgründern. An welchem Punkt macht es Deiner Meinung nach Sinn, einen Designer zu beauftragen? Welche Fragen sollten unbedingt vorher geklärt sein?

Nicola: Die Beauftragung eines Designers macht da Sinn, wo Du das Ziel hast, Kunden zu gewinnen!

Also gleich am Anfang. Vor allem wenn Du Kunden über das Internet gewinnen möchtest, ist es unumgänglich einen professionellen Auftritt zu haben. Denn nur, wenn Du Dein Angebot schlüssig, übersichtlich (Content) und ansprechend (Design) rüberbringst, werden Besucher zu Kunden. Eröffnest Du einen Laden vor Ort, benötigst Du zumindest Logo, Werbematerial (Flyer, Visitenkarte, Briefbogen, Displays, Banner u.v.m).

Die wenigsten GründerInnen übernehmen einen Betrieb, der schon läuft oder gliedern sich irgendwo an. Viele starten bei Null und da muss angesetzt werden, denn ohne Sichtbarkeit erfährt niemand über Deine Leistungen.

Was Du selber nicht gut (genug) kannst,
lagerst Du aus.
Nicola Kühn

Geld zu investieren macht dann Sinn, wenn Dir ganz klar ist, was Du genau anbietest. Und für wen. Vorab muss also eine genaue Analyse Deiner Ausrichtung stattfinden. Erst, wenn das steht, kannst Du den nächsten Schritt gehen und einen Designer beauftragen, Dein Erscheinungsbild zu erschaffen. Denn nur wenn Du genau Bescheid weißt über Deine Idee, kann diese auch gezielt und vollumfänglich umgesetzt werden.

Natürlich helfen Designer dabei, Ideen zu finden, zu entwickeln und auch da Hilfestellungen zu geben, doch die Anfangsarbeit muss von Dir getan werden.

Wenn Du als Unternehmerin gesehen werden möchtest (und das hat natürlich auch damit zu tun, dass Du an Dein Business glaubst und Anhaltspunkte für den Erfolg Deiner Idee hast → Businessplan), dann wäre es fast fatal, nicht zu investieren. Das muss auch gar nicht immer ein Rundumschlag sein.

Was ist Deiner Meinung nach für einen professionellen Start unverzichtbar und wovon rätst Du Deinen Kunden ab? Warum?

Nicola: Wichtig ist gerade bei ExistenzgründerInnen ganz klar zu schauen: was muss und was kann!

Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Wichtig ist, dass Du die Möglichkeit hast, Dich zu entwickeln. Wenn erstmal ein gutes und passendes Corporate Design steht, ist das schon einmal ein guter Start!

Was unverzichtbar ist, kommt auch auf die Branche und Ausrichtung an. Wichtig ist, mit einem einzigartigen Logodesign zu beginnen, das sich auf alle weiteren Bereiche anwenden lässt. Eine Website ist heute die digitale, umfassende Visitenkarte. Ohne geht nicht mehr, wenn Du wachsen möchtest.

Außerdem benötigt man gedruckte Visitenkarten, die Du überall verteilen kannst. Gerade zum Netzwerken sind sie unabdinglich, denn jeder soll ja von Dir und Deinem professionellen Auftritt wissen.

Briefbögen können Dein Logo und Deine Daten schön aufbereitet enthalten und müssen heute nicht unbedingt professionell gedruckt werden. Da tut es schon auch mal der eigene Drucker. Flyer oder aufwändige Broschüren- das alles lohnt sich vor allem, wenn man auf Messen geht oder sehr erklärungsbedürftige Produkte vertreibt.

Einige Gründer kommen auf die Idee, sich z.B. über günstige Plattformen ein Logodesign zu kaufen. Den Gedanken kann ich verstehen.

Moralisch für den Berufsstand der professionellen Grafikdesigner finde ich das natürlich nicht so schön. Vielmehr erlebe ich aber, dass KundInnen zu mir kommen und mir erzählen, dass sie zuerst bei einer dieser Plattformen versucht haben, ein passendes Logo für ihr Business zu finden und dann enttäuscht sind, da das Design doch nicht ganz so anwendbar und einzigartig ist. Sie wollen dann nochmal in enger Zusammenarbeit ein Logo gestaltet bekommen, das auch wirklich zu ihnen passt. Das sind so die Dinge, von denen ich abraten kann. Denn gerade so etwas Persönliches wie eine Corporate Identity braucht Austausch und umfangreiche Briefings.

Was ich dir empfehle ist, Dir einen umfassenden Eindruck von dem Grafikdesigner zu machen, lieber mehrere Angebote einholen und Gefühl für denjenigen und dessen Dienstleistung zu bekommen, und dann investieren.

Es ist wichtig, dass Du Vertrauen in den Designer hast und ihm zutraust, Dein Design so zu entwickeln, wie Du es Dir vorstellst. Dabei sollte der Preis nicht das entscheidende Kriterium sein. Wichtig ist, dass Du ein gutes (Bauch-) Gefühl hast, aber er Dich ebenso mit seinen bisherigen Arbeiten begeistern konnte. Hat er so etwas ähnliches schon einmal gemacht? Gefällt Dir sein Stil? Was ist Dein genereller Eindruck von ihm?

Abraten würde ich zu Beginn von großen, kostspieligen Marketingaktionen. Bei GründerInnen ist es vor allem wichtig, sich ein gutes, großes Netzwerk aufzubauen und hier aktiv mitzugestalten.

Soziale Medien zu nutzen, sich neben der eigenen Website online bekannt zu machen. Multiplikatoren ins Boot holen, Kooperationspartner finden. Dafür benötigst Du wenig Geld und kannst schon einmal die ersten Kunden generieren!

Bei alledem, verliere nicht die Freude an der Sache und trau Dich einen ersten Schritt zu machen, denn Wege entstehen oft, wenn man sie geht! Ich wünsche Dir viel Mut und Spaß für die Entwicklung Deines Corporate Designs und alles Gute!

Hier erfährst Du mehr über Nicola und Soulful Graphic Design. Wenn Du Fragen an uns hast oder uns Deine Gedanken zu dem Interview mitteilen möchtest, lass uns einen Kommentar hier.

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