Warum machen eigentlich nie Frauen die dicke Kohle?

Warum machen eigentlich nie Frauen die dicke Kohle?

Natürlich gibt es reiche und sehr erfolgreiche Frauen, die es geschafft haben auch ohne zu erben oder auf dem Vermögen ihres Mannes aufzubauen. Aber es könnten deutlich mehr sein! Darum geht es in diesem Artikel um die Frage, was hält uns eigentlich zurück und was können wir tun, um das zu ändern.

Uta Nimsgarn hat über 20 Jahren vermögende Privatkunden in ihrer Geldanlage beraten und dabei, wie sie fand, viel zu wenige Frauen auf der anderen Seite ihres Schreibtisches sitzen gehabt. Heute trainiert sie mutige Frauen, die bereit sind ihre Geldziele mit Herz und Verstand zu erreichen,  für ein Leben in Freiheit und Leichtigkeit. Du findest sie auf www.uta-nimsgarn.de.

Liebe Uta, Du hast viele Jahre lang mit sehr viel Geld zu tun gehabt, aber es war nie Dein eigenes. Deiner Erfahrung nach geht es vielen Frauen so, dass sie selbst viel weniger Geld zur Verfügung haben als sie verdienen und für unsere Gesellschaft gut wäre. Woran liegt das und was brachte bei Dir persönlich den Durchbruch?

Uta Nimsgarn_300Uta: Mir brachten 2 Fragen vor vielen Jahren den Durchbruch. Damals, als ich noch angestellt war und vermögende Kunden betreut habe. Warum habe ich so wenig weibliche Kunden (außer als Ehefrau oder Erbin)? Warum sitze ich auf der Seite des Schreibtisches und nicht auf der andern, wenn ich doch das Geld anderer so gut vermehren kann?

Diese beiden Fragen waren der Start zu einer langen Reise, auf der ich viele Antworten gefunden habe. Und heute würde ich sie kurz und knapp beantworten: Es liegt am Mindset. An dem, was ich, aber auch so viele Frauen über Geld, Selbstwert, Wertschätzung, gesehen werden, Erfolg und über das Leben denken. Bewusst, aber vor allem auch unbewusst.

Ein förderliches Mindset bedeutet zum Beispiel, dass ich ganz bewusst Geld in mich und meine Entwicklung investiere, nicht unbedingt in noch eine Ausbildung, sondern darin, dass ich meine PS wirklich auf die Straße bringe. Ich weiß, wenn ich Geld zum Beispiel für ein Coaching ausgebe, dass sich das auf Dauer rechnen wird. Das erleben meine Kundinnen sehr stark bei den Preis-Coachings. Sie investieren Geld und ihre Kunden bezahlen ihnen dann gerne die höheren Preise, weil das Gesamt-Packet für den Kunden dann stimmt. Aber zuerst kommt die Investition.

Viele der heutigen Frauen sind hervorragend ausgebildet und sind finanziell erfolgreich und selbständig. Bis sie Mutter werden. Schritt für Schritt geben viele dann ihre finanzielle Autonomie ab: ein Gemeinschaftskonto macht viel mehr Sinn, soll sich doch der Mann um die Geldanlage kümmern, durch Elternzeit und Teilzeit haben sie weniger Einkommen, die Prioritäten verschieben sich. Warum ist das aus Deiner Sicht kritisch und was bedeutet das für unsere Töchter?

Uta: An sich ist ein Gemeinschaftskonto gar nicht kritisch. Ich hatte das in meiner Ehe auch. Das kann sogar große Vorteile haben. Kritisch finde ich eher, wenn die Frau sich aus ihrer finanziellen Verantwortung herauszieht und alles dem Mann überlässt. Wir Frauen haben in diesem Bereich viel zu lange zu viel Verantwortung auf die Männer abgewälzt. Die Wirtschaft und die Politik sind deswegen hauptsächlich männlich geprägt. Die weiblichen Qualitäten kommen leider zu kurz. Zum Beispiel die Qualität, den Erfolg nicht nur in der Gewinnmaximierung festzumachen, sondern vielleicht auch im kreativen Prozess, im Wachsen und im etwas Gedeihen lassen. Wir Frauen sollten uns unserer Verantwortung für Geld wieder mehr bewusst sein und auch was es bedeutet, wenn wir diese Verantwortung abgeben. Bewusst oder unbewusst.

Dann können wir ein Vorbild für unsere Töchter sein. In meinen Coachings stelle ich immer wieder fest, dass es nämlich gar nicht so die Rolle spielt, ob die Mutter berufstätig ist/war oder nicht. Es spielt viel mehr die Rolle, wie ihr Umgang mit Geld und sich selbst ist/war. Wenn eine Frau zum Beispiel selten Geld dabei hat und dann öfter zu ihrer Tochter sagt: Geh mal zu Papa, der hat das Geld. Dann lernt die Tochter eventuell, dass Papas (Männer) das Geld haben. Und es spielt keine Rolle, was die Tochter nachher bewusst denkt. Aber unbewusst kann diese Erfahrung sehr wirksam sein.

Du selbst hast den Sprung in die Selbständigkeit als Alleinerziehende mit relativ wenigen Reserven gewagt und warst damit erfolgreich. Du hast das geschafft, weil Du mit Deinem Angebot ein wichtiges Problem angehst, Deine Zielgruppe genau definierst und Du hart dafür gearbeitet hast. Was tust Du darüber hinaus noch, um Geld zu Dir einzuladen?

Uta: Nein, ich arbeite nicht hart. Wenigstens empfinde ich es nicht so. Mir macht das, was ich tue viel Spaß. Ich habe viel an meinem Mindset gearbeitet. Das tue ich natürlich immer noch. Nicht nur was Geld-Themen betrifft, sondern auch alle anderen Themen.

Und ich gehe über meine Komfortzone hinaus, schaue mir meine Angst an und handle trotzdem. Das hört auch nie auf. Jede Ebene hat ihre Grenzen, die es zu überwinden gilt. Leider lassen sich viele Frauen von ihrer Angst abhalten. Und Angst ist immer dabei, wenn ich meine Grenzen austeste. Alle erfolgreichen Menschen haben Angst und handeln trotzdem. Das macht sie erfolgreich. Die Angst annehmen und sich nicht vom Irrglauben abhalten lassen, dass wenn es richtig ist, es keine Angst gibt. Das ist schlichtweg falsch. Ohne Angst gibt es keine wirkliche Entwicklung.

Und deswegen habe ich immer einen Coach. Ohne diese Unterstützung wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Und zwar von Anfang an. Und ich gestehe, am Anfang sogar auf Kredit. Da wären wir wieder beim Thema Investition.

Was wäre ein guter erster Schritt hin zu einer Liebesbeziehung mit Geld? 

Uta: Geld ist immer Wertschätzung. Mir selbst gegenüber und anderen Menschen. Es fängt aber immer bei uns selbst an.

Beginne deinem Geld, das du schon hast, Dankbarkeit und Wertschätzung entgegenzubringen, indem zum Beispiel dein Geldbeutel sauber und aufgeräumt ist. Deine Scheine sollten auch sortiert darin stecken. Falls sie das noch nicht sind, dann nimm dir jetzt gleich deinen Geldbeutel und sortiere deine Geldscheine so, wie es für dich stimmig ist. Streiche sie dabei auch glatt. Behandle sie mit Respekt und Wertschätzung. Und streiche das „Es ist so wenig.“ aus deinem Wortschatz, wenn du an dein Geld denkst.

Schon diese kleine Übung kann viel verändern. Wenn du sie machst!

Wer nun noch Fragen an Uta (oder mich) hat, schreibt sie uns in den Kommentaren. Wir freuen uns drauf!

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Elke

Da ich den Artikel vor Euch konnte, habe ich Utas Aufgabe schon einmal getestet.

1. Schritt: ich brauche ein neues Portemonnaie, eines in dem sich mein Geld wirklich wohlfühlt und was zu mir passt.

2. Schritt: ich versuche jetzt immer Geld dabei zu haben. Und auch mehr als ich „dringend bräuchte“ um mich an das Gefühl des Überflusses zu gewöhnen. Krass wie schwer mir das fällt! Am Anfang hatte ich ganz stark das Gefühl von Bedrohung, bestimmt will mir jemand mein Geld wegnehmen! Und dabei bin ich noch nie beklaut worden!

3. Schritt: Ich betrachte mein Geld sorgsam. Wenn ich Geld bekomme (auch an der Kasse beim Bäcker) nehme ich es mit Dankbarkeit an und stecke es ganz bewusst in mein Portemonnaie.

Hast Du Dir unsere Euro-Scheine schon einmal genauer angeguckt? Auf der einen Seite sind immer Bilder von Fenstern abgebildet. Mir hat einmal eine (sehr spirituell angehauchte 😉 ) Freundin erklärt: Überreichst Du das Geld jemandem mit der Fensterseite nach oben, wirst Du Dein Geld sinnbildlich aus dem Fenster. Auf der anderen Seite sind immer Brücken abgebildet. Zeigt diese Seite nach oben, gibst Du Dein Geld aus, um eine Brücke zu schlagen, Verbindungen zu schaffen, auf Deinem Weg einen großen Schritt weiter zu kommen.

Es geht also immer darum, mit welcher Intention gibst Du das Geld aus. Und wenn Du es bewusst investierst, um weiter zu kommen, kann es auch bald wieder zu Dir zurück kommen.

Mir gefällt diese Sichtweise total gut und ich merke bereits, dass sich bei mir etwas tut.

Danke Uta, für das Interview und diese schöne Aufgabe!

Antworten

Tabea

Hallo Uta, hallo Elke,

euer heutiges Interview ist richtiggehend inspirierend!

Zwei so tolle Frauen auf einem Fleck – genial.

Ich kann es noch gar nicht so in Worte fassen, wie du Elke in deinem Kommentar … aber ja … an meinem Umgang mit Geld darf ich definitiv arbeiten … momentan versuche ich es – vor allem wenn ich es selbst eingenommen habe – sehr stark festzuhalten … ich merke richtig, wie der Fluss fehlt … obwohl ich mir den Fluss sehr wünsche und theoretisch auch begriffen habe, dass es diesen braucht.

Allgemein finde ich es ganz schön herausfordernd einen eigenen Umgang mit Geld zu finden … spricht ja auch kaum jemand drüber.

Danke, dass ihr das tut!

Eine Frage habe ich an Uta … falls das möglich ist: Wie hast du – gerade am Anfang – die richtigen Investitionspunkte für dein Geld gefunden … um es nicht „aus dem Fenster zu schmeißen“ sondern wirklich den Investitionspunkt zu finden?

~Tabea

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Uta Nimsgarn

Hallo Tabea,

ich beschäfitge mich seit 40 Jahren mit Geldanlage. Meine erste Aktie hatte ich mit 12.
Und meine Kritierien für einen gute Investition müssen überhaupt nicht mit deinen zusammenpassen.
Es ist gerade bei Anlageentscheidungen immer wichtig auf die eigene, persönliche Situation und Einstellung zum Thema Geld zu achten. Deswegen empfehle ich dir einen guten Berater. Oder das Gespräch mit mehreren.
Die können dann, gemeinsam mit dir, deine perfekte Anlagestruktur ausarbeiten.
Ich persönlich gebe keine Anlageempfehlungen. Das ist mir erstens rechtlich überhaupt nicht gestattet und zweitens habe ich das Kapitel Anlagestrategie (außer für mich selbst) abgeschlossen.
Es gibt wundervolle und kompetente Berater, die sich genau darauf speziealisiert haben.
Ich wünsche dir viel Erfolg damit!

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Nictom

Spannend. Hätte eher andere Erklärungen erwartet, aber gut.
Mein Portemonnaie ist immer brav aufgeräumt, Geldscheine glatt in den entsprechenden Fächern und Kleingeld in dem Kleingeldfach, diesen sortierten Umgang mit Geld habe ich damals während meiner Schulzeit als Aushilfe an einer Kasse erlernt. Zumindest spätestens da.
Aber das bringt mir noch nicht wirklich das Gefühl, dass ich dadurch mehr Geld hätte und es bewusster ausgebe.
Ich sehe bei uns Frauen einfach noch immer diesen „Mutterkomplex“ von allen Seiten, sei es Arbeitgeber, sich selber, das Umfeld im Kopf. Als Mama, die ich von zwei wundervollen Kinder bin, hat man halt perfekt zu sein. Schmeißt den Haushalt, versorgt ordentlich die Kinder und gerne auch den Mann, kümmert sich um Garten, Einkauf, Amtsgänge, Kinderarzttermine, Kinderausflüge, Urlaubsplanug, Auto zur Inspektion, TÜV der Fahrzeuge, Auto zur Werkstatt und dann sehen, wie man ohne Kfz klar kommt und alles mögliche.
Nebenbei schafft man doch dann sicherlich noch den Beruf, den man nach der Schulzeit gelernt oder studiert hat, bleibt da mit Schulungen am Ball und beherscht auch dieses perfekt.
So. Und wofür bekommt Mama nun ihr Geld? Für letzteres, einzig allein dafür. Und das kann Mama aus Zeitgründen und den komplett anderen Verpflichtungen halt nicht mehr wie vorher in Vollzeit samt Überstunden erledigen, sondern nur reduziert. Was auch ein reduziertes Einkommen einbringt.
Und da frau sich während einer Teilzeitstelle nicht wirklich „hocharbeiten“ kann, was in der Regel ja mit Mehrarbeit, zeitlichem Einsatz, Zusatzaufgaben und Flexibilität funktioniert in dieser Arbeitswelt, weiß ich gerade nicht, wo ein höheres Einkommen der Frau herkommen soll.

Liebe Grüße
Nictom,
Bauing. und Techn. Betribswirtin (beides mit Diplom)
Mutter von 2 Kindern (4Jahre und 4 Monate, 2 Jahre und 9 Monate)

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Uta Nimsgarn

Danke für deinen Kommentar, Nictom!
Es geht beim Sortieren der Geldscheine nur wenig um die Ordung. Es geht um ein Gefühl der Wertschätzung und Dankbarkeit, das ist bei dieser Übung das Wichtige. Wenn ich dem Geld, das ich ja bereits verdient habe, Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenbringe, dann bringe ich automatisch auch mir selbst Wertschätzung und Dankbarkeit entgegen. Und ich glaube, dass wir Frauen auf dem Gebiet noch Nachholbedarf haben.
Wie du so schön beschreibst, sorgen wir mit unseren ganzen Aktivitäten, unserem Können und unserem Sein dafür, dass das Familienleben rund läuft. Und oft sogar noch einen Job dazu. Nur schätzen nicht mal wir uns selbst dafür genug wert.

Deine Frage, wo das höhere Einkommen der Frauen herkommen soll, läßt sichicht mit einem Satz beantworten. Das hängt sehr von der persönlichen Situation ab. Aber die Frauen z.B. in meinen Coachings sind immer wieder überrascht, was es da gerade bei ihnen für Möglichkeiten gibt.
Wichtig ist immer, dass es zu den Wünschen und Bedürfnissen jeder Frau passt. Und nicht noch ein „Paket“ ist, das sie sich auflädt.

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