6 Arbeitsmodelle für Mütter und sonstige Menschen mit anderen Prioritäten. Mein Favorit ist die Nr. 5.

6 Arbeitsmodelle für Mütter und sonstige Menschen mit anderen Prioritäten. Mein Favorit ist die Nr. 5.

Nicht nur Mütter von kleinen Kindern verlangen nach neuen Arbeitsmodellen. Es sind auch die Väter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Kinderlose wünschen sich Zeit für gesellschaftliches oder politisches Engagement und wiederum andere benötigen Möglichkeiten zur Pflege ihrer Angehörigen. Ich habe die Hoffnung, dass sich die Organisation von Arbeit in den nächsten Jahren diesen Bedürfnissen anpassen wird. Doch bis dahin liegt es an uns, neue Modelle zu entwickeln und umzusetzen, die für uns passend sind.

Durch meine Aktion Karriere mit Kind: 100 Probleme – 100 Lösungen bin ich mit vielen Müttern ins Gespräch bekommen, die mir von ihren teilweise ziemlich kreativen Arbeitsmodellen berichtet haben. Hier fasse ich für Euch meine wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

1. Arbeitszeit reduzieren löst schon viele Probleme

Das richtige Arbeitsmodell macht die Vereinbarung von beruflichen und familiären Pflichten deutlich entspannter. Bild: © Alicja Stolarczyk – freeimages.com #1199922

Klassisch Teilzeit zu arbeiten ist vermutlich das am meisten verbreitete Modell von Müttern kleiner Kinder. Je nach Job und Unternehmen sind hier zwischen 60 und 80% noch relativ einfach umsetzbar, aus Arbeitgebersicht am liebsten an 5 Tagen in der Woche.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Bietet die meiste Sicherheit und lässt sich im normalen Alltag gut an die Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen anpassen. Schwierig wird es dann, wenn der Nachwuchs krank ist oder die Einrichtungen häufiger geschlossen haben, als es Urlaub gibt. Nachteile haben vor allem die zu befürchten, die in Unternehmen mit ausgeprägter Präsenzkultur arbeiten. Da sind Aufstiegsmöglichkeiten fast ausgeschlossen, wenn diese an Sonderaufgaben in den späten Abendstunden geknüpft sind und wichtige Entscheidungen in Meetings nach 18 Uhr getroffen werden.

Das war mein eigenes Modell vor meiner Selbständigkeit mit nur einem Kind. 80% an 4 Tagen und der freie Freitag für mich, da mein Sohn trotzdem in die Krippe ging. So blieb noch Zeit für ein bisschen ICH sein! 🙂

2. Jobsharing im Tandem für Führungskräfte interessant

Eine spezielle Form der Arbeitszeitreduzierung, die insbesondere dann zum Tragen kommt, wenn der Arbeitgeber der Meinung ist, eine Stelle könne nicht in Teilzeit ausgeübt werden. Insbesondere für Führungspositionen ist dieses Modell interessant.

Diese Lösung ist für diejenigen geeignet, die gerne ihr Arbeitspensum reduzieren möchten, der Arbeitgeber aber – eigentlich – der Meinung ist, dass die Stelle sich nicht reduzieren lasse. Riesiger Vorteil für den Arbeitgeber ist, dass er für ca. 120% Gehalt 200% Ideen, Motivation und Kreativität erhält. Ansonsten gilt gleiches wie bei der klassischen Teilzeit. Ein Nachteil liegt in den Reibungsverlusten, da eben doch einige Informationen auf der Strecke bleiben. Klar aufgeteilte Aufgabengebiete können Abhilfe schaffen.
Schwierig wird’s aus meiner Sicht, wenn zwei Mütter, die gerne früh nachmittags ihre Kinder abholen wollen, sich eine Stelle teilen. Besser geht’s wenn z.B. einer in Altersteilzeit ist und einer Mutter kleiner Kinder ist.

Um interessierte Unternehmen und Fachkräfte zusammen zu bringen, hat Jana Tepe Tandemploy ins Leben gerufen.

3. Heilloses Durcheinander oder das Beste aus beiden Welten: Eine Kombination aus angestellt in Teilzeit und Selbständigkeit

Carolin kombiniert ihre Tätigkeit als angestellte Marketing-Projektleiterin mit einer Reihe an anderen freiberuflichen Projekten. So hat sie ein sicheres Standbein und kann trotzdem Neues ausprobieren und einen Teil ihrer Zeit flexibel einteilen.

Geeignet ist dieses Modell aus meiner Sicht, wenn die Wochenarbeitszeit nicht deutlich unter 30 Stunden liegt und man den Schritt in die vollständige Selbständigkeit scheut. Nachteil ist natürlich, dass für die einzelnen Tätigkeiten nicht so viel Zeit bleibt. Schwierig wird’s wenn mehrere Projekte gleichzeitig Hochphasen haben. Aber sicherlich ein interessantes Modell, wenn z.B. der Arbeitgeber in Punkto Flexibilität nicht weit genug entgegen kommen kann.

4. Die Selbständigkeit als Mittel der Wahl zu mehr Flexibilität

Vieles spricht für das Modell ER arbeitet als Angestellter, SIE als Selbständige. ER bringt als Angestellter Sicherheit und Verlässlichkeit für die Finanzierung von Kind und Kegel mit. Sie die Flexibilität in Punkto Arbeitszeit und –ort, um im Bedarfsfalle für die Kinder da zu sein.

Nachteil: Damit trägt sie – mal wieder – eine extreme Doppelbelastung. Denn auch wenn sie als Selbständige keinem Chef erklären muss, wann und wie sie ihre Arbeit erbringt, haben doch Kunden und externe Auftraggeber wenig Verständnis für den kranken Nachwuchs, wenn Terminvereinbarungen erstmal getroffen sind.

Übrigens: BlogF sucht Familien in Deutschland, die sich für ganz verschiedene Lebensmodelle entschieden haben. Sie suchen den Durchschnitt und sie suchen Extreme. Hier geht’s zu der Aktion, für die ihr Euch noch bis zum 1. August bewerben könnt.

5. So richtig echte 50/50 Aufgabenteilung mit dem Partner

Pamela von enemenemeins hat mir von diesem Modell erzählt, das ich ohne sie vermutlich nur für einen Traum gehalten hätte. Sie ist gemeinsam mit ihrem Partner selbständig und sie teilen sich die Zeit im Büro, Hausarbeit und Kinderbetreuung zu wirklich gleichen Teilen.

Sicher ist das nicht für jedes Paar geeignet. Ich bin froh, dass mein Mann und ich beruflich getrennte Wege gehen. So hat jeder seins, man geht sich tagsüber nicht auf die Nerven 😉 und man freut sich abends den anderen wiederzusehen. Wenn man aber auch arbeitstechnisch genau auf einer Wellenlänge liegt, warum nicht? Und dass jeder sich gleicher Maßen für Haushalt und Kinder engagiert, finde ich traumhaft. Für Angestellte wäre dieses Modell vermutlich realisierbar, wenn beide die Arbeitszeit reduzieren würden.

Nachteile? Kann ich mir gar nicht vorstellen! 😉 Pamela?

6. Coworking mit Kindern

Susanne von geborgen wachsen lebt dieses Modell, das aus meiner eigener Erfahrung einige Vorteile und etliche Nachteile hat.

Der große Vorteil ist, dass die Kinder geborgen zuhause ohne Fremdbetreuung aufwachsen können und die Arbeit eben komplett um die Bedürfnisse der Kinder herum organisiert wird. Versuch‘ mal ein Kundengespräch mit einem bockigen 3-Jährigen nebenan zu führen – keine Chance (und absolut unprofessionell). Also bleiben nur der Mittagsschlaf und die Abende zum Arbeiten. Da diese Zeit je nach Kind sehr unberechenbar ist, ist das Frustrationspotenzial enorm hoch.

Aus meiner Sicht ist das Modell ohne Unterstützung lediglich eine Übergangslösung. Aber Susanne hat sich bewundernswert gut mit dem Modell arrangiert und teilt hier ihre Erfahrungen dazu.

Welches Model hast Du gewählt und passt es zu Dir und Deinen Bedürfnissen, Deiner Familie? Wenn nicht, an welcher Stelle hakt‘s am meisten? Ich freu mich über Kommentare!

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Sarah

Tolle Ideen dabei! Nr. 5 klingt ehrlich gesagt zu schön, um wahr zu sein ;-). Und die Nr.6 sollte man niemals so planen. Wirklich niemals. Spreche aus eigener Erfahrung. Es ist die Erfahrung einer Mutter, deren Zweitgeborenes niemals alleine schlief. 2 Jahre lang. Und ich meine wieder: Wirklich niemals.

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Pamela Hiltl

Nachteile? Das ständige Diskutieren, ständige Ausarbeiten dieser Lösung. Aber: wir wissen, dass mit dem Älterwerden der Kinder (jetzt fünf und sieben) auch wieder mehr Freiheiten kommen. Und: mein Mann ist nicht mehr 30 – manchmal glaube ich, dass unsere Lösung auch nur deswegen möglich ist, weil er beruflich schon vieles probieren konnte und seine Prioritäten mit bald 50 anders setzt.

Viele Grüße
Pamela

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Zoso

„Kinderlose wünschen sich Zeit für gesellschaftliches oder politisches Engagement“
Danke, dass das auch einmal erwähnt wird. So geht’s mir nämlich. Aber ich bräuchte auf jeden Fall mindestens ein Kind als Grund für meinen AG, warum ich einfach weniger Stunden machen möchte – einfach, damit ich mal Dinge tun kann, die mir persönlich am Herzen liegen.

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Ela

Ja Zoso, ich finde es auch toll, dass das mal erwähnt wird! Natürlich haben sicherlich diejenigen, die Kinder haben ein besonderes Interesse, eine Art „Muss“ etwas an ihrer Arbeitssituation zu ändern. Aber nirgendwo wird auch mal gesagt, dass man sich für anderes interessieren darf und deshalb nicht 100% seiner Kraft und Zeit in das „Brötchenverdienen“ investieren will. Und die Betonung liegt auf „WILL“.

Ausserdem nervt es mich ziemlich, dass es bei vielen AGs zwar tolle Hochglanzbroschüren zum Thema „Work-Life-Balance“, „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ etc. gibt, aber die Realität sieht ganz anders aus. Das sagt nie mal jemand! Und ich stelle im Alltag immer wieder fest, dass ein Arbeitnehmer unendlich flexibel sein muss, sei es in der Menge der Arbeit die er macht (ohne mehr Bezahlung oder nur mit vielen Überstunden ableistbar), die Position die er bekleidet oder wie personelle Strukturen aussehen. Aber wehe dem, der aus persönlichen Gründen mal Flexibilität vom AG fordert. Da werden dann „betriebliche Gründe“ vorgeschoben, warum zB eine Reduzierung der Arbeitszeit völlig ausgeschlossen ist.

(By the way mag ich das Wort Work-Life-Balance sowieso nicht… Als wenn die Arbeit nicht zum Leben dazugehören würde.)

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Elke Peetz

Liebe Zoso,

freut mich, dass Du da bist. Ja, ich denke die Arbeitswelt insgesamt wird sich verändern müssen in den nächsten Jahren. Erste Arbeitgeber machen da ja den Anfang. Ich hatte in der Bank mehrere kinderlose Kollegen, die ihre Arbeitszeit reduzieren konnten. Diesen Vorreitern werden weitere folgen.

Hättest Du ein Kind, hättest Du allerdings trotz reduzierter Arbeitszeit keine Zeit für diese anderen Dinge. 😉 Ok, den konnte ich mir nicht verkneifen. 😉
Was sagt Dein Arbeitgeber dazu, dass JEDER einen Anspruch auf Teilzeit hat? (->Teilzeit- und Befristungsgesetz, gilt bei mehr als 15 Arbeitnehmern)

Wenns hart auf hart kommt; lieber anderen Arbeitgeber suchen, als auf die Dinge zu verzichten, die Dein Herz will. Meine Meinung und leichter gesagt als getan. Aber dennoch.

Viele Grüße,
Elke

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Zoso

Liebe Elke, danke für deine Antwort!

„Hättest Du ein Kind, hättest Du allerdings trotz reduzierter Arbeitszeit keine Zeit für diese anderen Dinge.“ – Genau das denke ich mir auch 😉 Habe auch keinerlei Ambitionen zur Elternschaft, aber was anderes gilt leider nicht als Grund. Wenn man „einfach so“ weniger arbeiten möchte, braucht man wohl eher gar nicht mehr zu kommen, Gesetzgebung hin oder her… *sfz*
Deshalb versuche ich grade, die Konsequenz zu ziehen, die du angesprochen hast. Bisher leider noch relativ erfolglos. Da fragt man sich dann schon auch, wie das mit dem Fachkräftemangel eigentlich wirklich ist… ? Ist jetzt nicht so, dass man es sich aussuchen kann, v.a. im redaktionellen Bereich. Würde mich natürlich über gegenteilige Erfahrungsberichte freuen!
Grüße!

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Elke Peetz

„Wenn man “einfach so” weniger arbeiten möchte, braucht man wohl eher gar nicht mehr zu kommen, Gesetzgebung hin oder her… “ – Das dachte ich mir schon, als ich schrieb. Wobei man sich das manchmal vielleicht auch nur einbildet. Ich hatte bei meinem Arbeitgeber auch einige Rahmenbedingungen, die ich lange für nicht verhandelbar hielt. Als ich mir dann aber ganz klar war, dass ich diese Rahmenbedingungen verändern MUSS, ging es auch. Ohne große Widerstände, ohne Konsequenzen. Innere Klarheit ist da ganz wichtig.

Gegenteilige Erfahrungsberichte habe ich Dir nicht zu bieten. Aber ein tiefes Vertrauen darein, dass jeder von uns eine Aufgabe auf dieser Welt hat, worin er oder sie unschlagbar ist. Eine Aufgabe, die Dein Herz lachen lässt und die genau nach Deinen Regeln zu erfüllen ist. Dieses Vertrauen habe ich unabhängig von allen Arbeitsmarktanalysen und Wirtschaftsprognosen. 😉

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Zoso

Ich bleib auf jeden Fall dran!

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Elke Peetz

Sehr schön!

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Manuela

Spannend! Für mich ist Freiberuflichkeit die Lösung, das ist aber auch eine Typfrage. Als Single-Mama von daheim arbeiten fühlt sich für mich perfekt an. LG! Ela

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Tanja

Mein Mann hatte die Chance gegen geringe finanzielle Einbußen keinen Schichtdienst mehr machen zu müssen, ich arbeite auf einer 85%-Stelle. Die Hälfte meiner Arbeitszeit erledige ich vor Ort bis max. 14 Uhr, die übrige Zeit flexibel von zu Hause aus. Es fühlt sich gut an:-) Nachteil: durch mein Homeoffice erledige ich zu viel Hausarbeit und Familienmanagement nebenher. Da könnten wir noch dran feilen.

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Cornelia

Ich ziehe den Hut vor „Vollzeitmüttern“ – denn ganz ehrlich ist das ein anspruchsvoller, anstrengender Job, vor allem bei mehreren Kindern. Und ich finde es vollkommen legitim sich dafür zu entscheiden und es ärgert mich bei allen diesen Diskussionen über Frauen und Arbeit, wie wenig diese Arbeit gewertschätzt wird, obwohl sie unendlich wichtig ist – schließlich bezahlen wir arbeitenden Frauen ja auch andere, die diese Arbeit für uns übernehmen während wir „uns selbst verwirklichen, einfach nur wir sind, Arbeiten wollen, Arbeiten müssen…“
Natürlich müssen flexible Lösungen für arbeitende Eltern her. Aber eine Frau gibt nicht ihr Hirn ab, wenn sie sich dafür entscheidet (zumindestens die ersten Jahre) ihre Kinder weitgehend selbst zu erziehen und ganz ehrlich diese Sichtweise gehört auch verändert.
(Ich habe 3 Kinder 3, 5 und 7 und ich habe „zwischen den Geburten gearbeitet und arbeite seit das Jüngste 1,5 ist wieder und ich arbeite gerne und doch möchte ich eine Lanze brechen für Vollzeitmütter und ErzieherInnen, die für das was sie leisten einfach nicht ausreichend entlohnt werden…)

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Jessi

Also ich bin schon in Teilzeitkräfte , weil es bei uns nur Teilzeitkräfte gibt die Überstunden machen .Es gibt keine vollzeitverträge.Das Problem ist , dass ich im Einzelhandel arbeite und mein Partner auch und mein Chef leider keine Rücksicht darauf nimmt das jemand Kinder hat .Daher eure es auch oft Spätschichten geben 🙁 Mal gucken wie wir das dann händeln noch ist er klein und ich in Elternzeit .

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